Aronia

 

Die kleine Grosse, heimische Beere und unsere Passion

 

 

Aronia (Aronia melanocarpa) ist ein einheimischer Strauch und ein echtes Pioniergewächs, wenn man den Botanikern glauben darf. Unsere ersten Recherchen begannen vor über 10 Jahren. Damals gab es nur russischen und englischen Lesestoff. Im Internet fand man absolut nichts in deutscher Sprache. Darum haben wir uns daran gemacht es zu übersetzen und in einer kleinen Kelterei in Sachsen erste Versuche mit Aroniasaft bestritten.

Heute ist die Aroniabeere in sprichwörtlich "aller Munde" - und wir produzieren nicht nur viele tolle Produkte aus der blau-roten Frucht sondern haben sogar eine neue Sorte kreiert!  Lernen Sie in unserem Video das Anbaugebiet in Coswig an der Elbe kennen, wo eine ganz besondere Aroniazüchtung wächst: die Nero Aronia Superberry.

Herkunft:
Ihren Ursprung hat die Pflanze im östlichen Nordamerika an der heutigen amerikanisch-kanadischen Grenze und wuchs dort in endlosen Gebieten auf den verschiedensten Böden. Bereits Indianer haben die Aroniabeere geschätzt und als Winterproviant genutzt. Der berühmte russische Botaniker und Weltreisende Mitschurin entdeckte die Aronia in Amerika und brachte Sie zu Zuchtzwecken mit nach Russland. Mit Unterstützung des Sowjetregimes unter Lenin und Stalin züchtete er frostresistente Sorten, so unter anderem die Aronia melanocarpa.

Sortenvielfalt:
Auf unseren Streifzügen durch die Landen auf der Suche nach Aronia-Bauern sind uns viele Sorten begegnet. So haben wir gelernt, dass es Wild- und Kultursorten gibt. Der Unterschied - fragten wir uns-merkt das jemand? Und dann zeigte uns ein Bauer die kleinen, aber feinen Unterschiede. Die Wildsorte mit ihren kräftig grünen Blättern und sehr gut verzweigten Austrieben wird nicht so hoch wie manche Kultursorte. Wir haben Aroniasträucher gesehen, die fast 3,50m hoch sind und voll behangen die schwere Last ertrugen. Die Beeren sind so groß wie Heidelbeeren und unser Gaumen sagte uns, dass in der Kultursorte z.B. der Nero nicht so viel Gerbsäure enthalten zu sein scheint wie in der Wildsorte. Wir lernten die Aronia melanocarpa Viking mit schwuppigeren Austrieben kennen, als auch die Aronia prunifolia und die Aronia arbutifolia. An Kultursorten mangelt es nicht. Da stießen wir auf Namen wie: "Nero", "Viking", "Ahonnen" aus Finnland, "Rubina", "Hugin" aus Schweden, "Fertödi" aus Ungarn, "Aron", "Serina" und "Hakkija" aus Dänemark, "Moravska sladkoploda" aus der Slowakei sowie "Kashamachi und Mandschurica" aus Estland.

Aronia in anderen Sprachen
Doch wie fragen wir nach Aronia? Mit dem botanischen Begriff konnte uns kaum einer im Ausland verstehen. Wir erweiterten unser Vokabular und freundeten uns mit einigen neuen Begriffen an: "Black chokeberry" (englisch), "Appelbes" (niederländisch), "Chernoplodnaja skorusha" (bulgarisch), "Aronia czarna" (polnisch) oder "Rjabina chernoplodnaja" (russisch).

Aussehen
Um das Gemüt zum Lächeln zu bringen, gehen Sie doch mal an einem sonnigen Herbsttag an einer Aroniaplantage vorbei. Das herrlich kräftige Rot der Laubfärbung wird Sie auch in den Bann ziehen. Nicht weniger schön sind die zarten Blüten, die wie Apfelblüten aussehen. Eine Dolde hat bis zu 20 Blüten. Erst ziemlich spät – im Mai – blüht die Aronia. Das hat aber zum Vorteil, dass bei Spätfrösten im Frühjahr die Aronia häufig verschont bleibt. Wie schlau doch die Natur ist! Die Aronia ist ein sommergrüner Strauch mit spitzen, auffallend weinroten Winterknospen. Die Laubblätter sind 2-8cm lang, meist kurz zugespitzt, fein kerbig gesägt, oberseits auf der Mittelrippe mit schwarzroten Haaren mit leuchtend roter Herbstfärbung.

Verwendung
Uns ist aufgefallen, dass am häufigsten oder fast ausschließlich die Kultursorte Nero auf größeren Flächen angebaut wird. Das liegt daran, dass diese Sorte sehr ertragreich und kaum anfällig für Schädlinge ist. Durch die Inhaltsstoffe in der Schale schützt sich die Frucht selbst vor den Angreifern, berichteten uns die Bauern.

Inhaltsstoffe
Die erbsengroßen, schwarzen, häufig wachsartig überzogenen Früchte, die ab Ende August bis Oktober geerntet werden können, schmecken süß-säuerlich-herb. Wenn man dazu kommt, dass die Vögel noch Beeren übrig lassen, kann man Ende September herrlich reife Aroniabeeren ernten. Die Beeren sind bekannt für ihren hohen Flavonoid-, Folsäure, Vitamin-K- und Vitamin-C-Gehalts (Lesen Sie hier die Vitalstoff- Serie in unserem Beerenblog und lernen Sie die wichtigen Inhaltsstoffe der Aroniabeere besser kennen). Wegen ihrer kräftigen roten Farbe wird sie häufig als Ersatz für Lebensmittelfarben verwendet.

Anbau
Die Superbeere im eigenen Garten – das kann eigentlich jeder. Die Pflanze ist recht anspruchslos, was den Boden betrifft. Sie mag keine zu lehmhaltigen oder sandigen Böden. Sonst kann man sie recht wahllos setzen. Sonne ist für den Reifeprozess natürlich wichtig, d.h., vollschattig sollte vermieden werden. Es können verschiedene Aroniasorten über unseren Pflanzenshop bestellt werden, so dass jeder von Ihnen auch die Beeren direkt vom Strauch essen kann. Unter www.aronia-original.de/aroniapflanzen.html können Sie die Sträucher bestellen.

Verwertung
Die vielseitig einsetzbare Aroniabeere schmeckt besonders lecker in Desserts, Kuchen, Muffins, Eiscremes aber auch in Salaten, Quarkspeisen, Chutneys, Marmeladen und im Likör. Tolle und köstliche Rezepte finden Sie auch auf www.aronia-rezepte.com
 
 
Aronia – Die schwarze Powerbeere der Natur
Schon die schwarze Farbe verrät es, die Apfelbeere gehört zu den stärksten Radikalfängern der Natur. Sie schützt vor Krankheit und vor den Beschwerden mit zunehmendem Alter. Aus Studien geht hervor, dass der Aroniawirkstoff auch zur Senkung des erhöhten Blutdrucks, des Cholesterins und des Blutzuckers beiträgt. Die Aroniabeere schützt vor der Verkalkung der Gefässe und damit vor Herzinfarkt oder Schlaganfall. Domäne sind auch die Virusgrippe und Erkältungskrankheiten. Doch das ist noch nicht alles.
 
Die schwarze Apfelbeere, die an der Ostküste Nordamerikas heimisch ist, fand erst Ende des letzten Jahrhunderts über Russland den Weg nach Europa. In der Schweiz wird der Aroniastrauch seit 2007 angebaut. Er ist sehr robust, anspruchslos und gegen Schädlinge und Krankheiten resistent. Der Wirkstoff ist dem der Holunderbeere sehr ähnlich, doch ist die Aroniabeere einfacher zu ernten. Denn Aroniabeeren reifen zur selben Zeit und sind grösser als die Holunderbeeren. In Russland wurde der grosse Gesundheitswert der schwarzen Apfelbeere erkannt und in vielen Studien untersucht. In der russischen Volksheilkunde hat die Aroniabeere deshalb einen festen Platz (Kasten 1). Allen Beeren gemeinsam ist die Eigenschaft, krank machende Radikale im Körper abzufangen. Doch der Aroniawirkstoff übertrifft alle anderen Beeren (Kasten 2). Darüber hinaus enthält die schwarze Powerbeere Vitamine und Mineralstoffe wie Folsäure, Vitamin K, Vitamin C, Provitamin A und B-Vitamine, Kalium, Kalzium, Magnesium, Zink, Jod und Eisen.
 
Freie Radikale machen krank und lassen Körperzellen schneller altern
Freie Radikale sind Stoffwechselprodukte, die bei jedem Menschen anfallen. Unser Körper verfügt zwar über verschiedene Mechanismen, freie Radikale abzufangen: aber nur begrenzt. Deshalb müssen wir mit der Nahrung Radikalfänger, sog. Antioxidantien, zuführen. Sie finden sich in Obst und Gemüse, vor aber reichlich in der schwarzen Apfelbeere (Kasten 2). Die Radikalfängereigenschaft der Aroniabeere übertrifft die des Granatapfels, des Grüntees und die der Traubenkerne.
 
Was die Aroniabeere alles kann
Viele wissenschaftliche Untersuchungen ausserhalb der Organismus und Tierversuche bestätigen die starke Radikalfänger-Wirkung. Diese ist auch massgeblich an der cholesterin-, blutzucker und blutdrucksenkenden, Wirkung beteiligt sowie an der hemmenden Wirkung auf die Krebszellvermehrung. Wurde der Aronia-Wirkstoff zusammen mit Gift verabreicht, war bei den Tieren die Gewebeschädigung in der Leber, in den Nieren, am Magen-Darmtrakt und am Herz geringer ausgeprägt. Der Aronia-Wirkstoff förderte die Fliesseigenschaft des Blutes. 2
 
Er bindet Schwermetalle (Umweltgifte) und leitet sie aus dem Körper. Der Wirkstoff wirkt antiviral und antibakteriell und stimuliert das Immunsystem. Er verhindert das Andocken von Coli-Bakterien an der Blasenwand und sehr wahrscheinlich auch das Andocken der Helicobakter-Bakterien im Magen. Von den dreizehn durchgeführten klinischen Studien untersuchten acht die Wirksamkeit beim sogenannten Wohlstands-Syndrom mit hohem Blutdruck, hohen Blutfettwerten, Zuckerkrankheit und Übergewicht. Obwohl die Qualität der in den östlichen Ländern durchgeführten Studien nicht unserem Standard entspricht, sind die Ergebnisse überzeugend: Denn Blutdruck, Blutfett, Blutzucker und die antioxidative Kapazität im Blut sind objektive Messwerte, die nicht psychisch beeinflusst werden. In den restlichen Studien wurde die Radikalfänger-Eigenschaft der Aroniabeere bei Zuständen mit erhöhtem oxidativen Stress belegt. Domäne der Powerbeere ist aber auch die antivirale und die antibakterielle Wirkung und die Schutzfunktion vor Blasenentzündungen.
 
Aus Gottes Apotheke: Zubereitungen aus Aroniabeeren wirken unterstützend
Bei erhöhtem Blutdruck, erhöhtem Cholesterin und erhöhtem Blutzucker. Zur Vorbeugung der Gefässverkalkung und damit in Zusammenhang stehenden Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bei Fettleber, Zuckerkrankheit, Krebserkrankungen und Störungen der Organfunktion (z.B. bei Leber-, Herz- und Nierenerkrankungen) und bei Altersbeschwerden, z.B. nachlassender Hirnfunktion, Rheuma. Beim Reizdarm-Syndrom mit Verstopfung (das in den Beeren enthaltene Sorbitol wirkt abführend). Bei Virusgrippe, Erkältungskrankheiten und Harnwegsinfektionen. Bei der Ausleitung von Schwermetall-Umweltgiften (u.a. Quecksilber, Blei).
 
Das Geheimnis zum Therapieerfolg
Um von der Wirkung der Aroniabeeren zu profitieren, muss ausreichend Wirkstoff zugeführt werden. Zur Vorbeugung reichen 100 bis 150 mg Anthocyane (HPLC-Messung) pro Tag. Haben sich die Zivilisationskrankheiten bereits manifestiert, empfiehlt sich die doppelte Dosis. Photometrische Messangaben überschätzen den Wirkstoffgehalt um ein Vielfaches. In Muttersäften variierte der Wirkstoffgehalt (HPLC-Angabe) zwischen 7,5 und 118 mg pro Tasse (100 ml). Licht und Sauerstoff zerstören den Wirkstoff. Da der violett-schwarze Wirkstoff der Beere wie alle Farbstoffe (u.a. schwarzer Tee, Rotwein) die Zähne dunkel färbt, empfiehlt es sich, Aroniasaft mit einem Strohhalm zu trinken oder einen standardisierten Extrakt einnehmen. 3
 
Bei akuten Grippebeschwerden mit Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, schwerem Krankheitsgefühl sollte folgendem Schema gefolgt werden: Tag 1 und 2: 500 mg Anthocyane, Tag 3 und 4: morgens 380 mg, Tag 5 und 6: 250 mg, danach weiter 120 mg über den Tag verteilt. Zu diesem Behandlungsschema gibt es gute Erfahrungen. Im Experiment ausserhalb des Organismus wurde gezeigt, dass auch die Vermehrung des Vogelgrippe- und des Schweinegrippevirus gehemmt wurde. Wer sich aus welchen Gründen auch immer keiner Grippe-Schutzimpfung unterzogen hat, tut gut daran, bei Grippe-Beschwerden rechtzeitig, d.h. innerhalb von 24 bis maximal 48 Stunden, mit dem Behandlungsschema zu beginnen. Virushemmer müssen in der Phase der Virusvermehrung eingesetzt werden, also so früh wie möglich. Zum Schutz vor Harnwegsinfektionen reichen morgens und abends 2x120 mg Anthocyane pro Tag. Beim akuten Blaseninfekt sind 3-4 x 120 mg plus zusätzlich 3x2g Mannose pro Tag einen Versuch wert.
 
Nur ein Tabu für Aroniabeere
Bei langfristiger Zufuhr grosser Mengen Aroniawirkstoff, sollte der Eisenspiegel im Blut kontrolliert werden, da der Wirkstoff Metalle bindet und ausscheidet. So kann auch das Eisen gebunden und ausgeschieden werden. Das einzige Tabu für Aronia ist deshalb ein bestehender Eisenmangel, eine sog. Anämie.
 
Bio-Anti-Aging ist nicht alles
Wer das Gesetz des geregelten und massvollen Lebens ignoriert, kann nicht darauf bauen dass die Aroniabeere die Sünden rückgängig macht. Wer gesund und bis ins hohe Alter fit bleiben will, sollte fleisch-, fett- und salzarm essen, viel Obst, Gemüse und Fisch konsumieren und nur mässig Alkohol trinken. Es besteht kein Zweifel daran, dass Südländer aufgrund der mediterrane Kost seltener an Herz-Kreislauferkrankungen leiden und seltener an Herz-Kreislauf-Komplikationen sterben. Übergewichtige sollten an Gewicht abnehmen. Nikotin ist schon lange „out“. „In“ ist dafür die tägliche Bewegung und Entspannung, beides muss fest in den Tagesablauf eingeplant werden. Wer so lebt, für den ist die Aroniabeere das Gesundheits-Plus für ein beschwerdefreies Leben bis ins hohe Alter. 4
 
Kasten 1: Einsatz von Aronia in der russischen Volksheilkunde
Magenentzündung, Darmerkrankungen
Leber- und Galleerkrankungen
Hauterkrankungen
Hoher Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Zuckerkrankheit
Kinderkrankheiten (Scharlach, Masern)
Zum Schutz vor Blaseninfektionen
 
Kasten 2: Radikale bindende Kapazität verschiedener Beeren. Aronia hält den Rekord
Aroniabeere 160
Holunderbeere 145
Heidelbeere 60 – 87
Schwarze Johannisbeere 56
Brombeere 55
Rote Johannisbeere 32
Himbeere 21
Erdbeere 15-20
Cranberry 10-18
Rote Traube 7,4
Weisse Traube 4,5
Apfel 2,2 5
 
Autorin: Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik-Hausmann. Hausarztpraxis, Calandastr. 10, 7310 Bad Ragaz. Kontakt: sigrun.chrubasik@klinikum.uni-freiburg.de. Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Zusatzausbildung in “Naturheilverfahren”, Spezieller Schmerztherapie”, “Ärztlichem Qualitätsmanagement”. Seit 1999 Koordinatorin des Schwerpunkts “Phytotherapie” im Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg i.Br., seit 2016 APL-Professur an der Universität Freiburg i.Br.